Spätestens seit seinen Erfolgen mit LEVIATHAN (Bestes Drehbuch, Cannes 2014) und LOVELESS (Jurypreis, Cannes 2017) gilt der russische Regisseur Andrey Zvyagintsev als der beste lebende russische Regisseur und wurde für seinen neuen Film MINOTAUR mit dem Grand Jury Prize beim diesjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet.
von Kalle Somnitz Zvyagintsev erzählt von einem neuen Russland: Im Jahre 2022 stehen große Veränderungen an, doch wie die genau aussehen, weiß noch niemand. So geht es auch Gleb, einem erfolgreichen Geschäftsführer, dessen Firma gerade umstrukturiert wird. Viele werden entlassen, andere neu eingestellt. Gleichzeitig stellt er fest, dass seine Frau ihn betrügt und den Fortbestand seiner kleinen Familie gefährdet. Er engagiert einen Detektiv, lässt den Lover ermitteln und besucht ihn in seiner Wohnung. Er will ihn konfrontieren, doch zu sagen haben sich die beiden Männer nichts, was Gleb noch wütender macht. Die Situation eskaliert, und es kommt zum Äußersten. In der Firma klären sich allmählich die Verhältnisse. Er soll die Umstrukturierung des Betriebes von Wirtschaft auf Kriegswirtschaft leiten und hat dafür freie Hand. Als die Polizei ihn als Mörder überführen kann, erhalten sie die Anweisung von ganz oben, den Fall nicht weiter zu verfolgen.
Zvyagintsev lässt sich viel Zeit, er erzählt sehr langsam und dafür umso präziser. Stück für Stück setzt er ein Russland zusammen, in dem sich der Krieg zwar nur an der Front abspielt, tatsächlich unterwandert er aber beinahe unbemerkt die ganze Gesellschaft. Die Justiz ist schon länger gleichgeschaltet, aber auch Polizei und Wirtschaft funktionieren nicht mehr, nur die Korruption blüht und alte Kaderschulen kommen wieder ans Ruder.
Ein Kriegsfilm, bei dem kein Schuss fällt. In der ersten Hälfte des Films gibt es nur eine Einstellung, die auf den Krieg hinweist, als Gleb an einem Bahnübergang lange warten muss, weil ein endloser Zug mit neuen Panzern vorbei rollt. Später dann häufen sich die Szenen, die vom Kriegsgeschehen beeinflusst sind, bis hin zu den hysterisch klagenden Müttern, die ihre Kinder nicht an die Front lassen wollen. //Kalle Somnitz
Kalle Somnitz war auf der Pressekonferenz zu MINOTAURUS auf dem Filmfest Rom.
Drama • FR, DE, LV 2026 • 140 Min • Regie: Andreï Zviaguintsev
Filmkunstkino Bambi
Minotaurus
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Spätestens seit seinen Erfolgen mit LEVIATHAN (Bestes Drehbuch, Cannes 2014) und LOVELESS (Jurypreis, Cannes 2017) gilt der russische Regisseur Andrey Zvyagintsev als der beste lebende russische Regisseur und wurde für seinen neuen Film MINOTAUR mit dem Grand Jury Prize beim diesjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet.
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