Uraufführung
Zentimeter um Zentimeter
wird die Grenze verschoben.
Was geschieht, wenn Angst nicht länger den Rhythmus vorgibt? Sieben Performer*innen begegnen einer Gegenwart, in der Räume besetzt, Wahrheiten verdreht und Beziehungen zunehmend durch Kontrolle organisiert werden. Ausgangspunkt sind die kleinen Kämpfe am Gartenzaun ebenso wie die großen Gesten der Aneignung.
Vertreter*innen der House-Dance-Szene und des zeitgenössischen Tanzes bringen Bewegung, Spoken Word und Live-Musik in Resonanz. Das Wechselspiel der Stimmen bildet dabei ebenso ein Fundament wie House-Musik – entwickelt in den Schwarzen und queeren Communities Chicagos und New Yorks als Praxis, in der Gemeinschaft nicht vorausgesetzt wird, sondern immer wieder neu entsteht. Die zeitdiagnostischen Texte der Schriftstellerin Kathrin Röggla über Vorstadtgärten und Rassismen treffen auf elektronische Klangwelten, Vokaltechniken und die musikalischen Archive der*des südafrikanischen Komponist*in Monthati Masebe.
Monthati Masebe ist südafrikanische*r Komponist*in und Performer*in, die*der Klang als eine Form von ancestral technology – einer Technologie der Ahnen – versteht. Masebes Arbeit bewegt sich zwischen Afro-Klassik und Afro-Elektronik: Im einen Moment treffen traditionelle südafrikanische Instrumente auf ein Streichensemble, im nächsten lösen sie sich in Live-Elektronik und geloopte Kehlkopf-Stimmen auf. Masebe interessiert sich nicht für Grenzziehungen zwischen klassischer und traditioneller Musik oder zwischen akustischen und elektronischen Klängen. Auf der Bühne verschwimmen diese Grenzen weitgehend. Verwurzelt im klanglichen Erbe der Venda und Zulu und unmissverständlich queer, sucht Masebes Musik nach der psycho-spirituellen Kraft, die in indigenen Instrumenten verborgen liegt. Dieser Ansatz prägt Masebes gesamtes Schaffen – von der Oper Isithunzi (uraufgeführt Münchner Biennale 2026 und Staatstheater Wiesbaden) bis hin zu Masebes subtil angelegten Arbeiten für Film, Kooperationen im Tanz und Arbeit mit Archiven.
Die deutsche Regisseurin und Choreografin Stephanie Thiersch entwickelt mit ihrer Kompanie MOUVOIR Bühnenstücke, Filme und Installationen im internationalen Kontext. Ihre genreübergreifenden, transkulturellen Arbeiten erforschen Formen der Vergemeinschaftung zwischen unterschiedlichen Körpern, kulturellen Erfahrungen, künstlerischen Praktiken und Wissensformen. In Kollaboration mit anderen Künstler*innen entstanden Bilderschlachten (zuletzt auf dem Holland Festival), Archipel (Theater der Welt/Ruhrtriennale) und Hello to Emptiness (National Opera Athen, SIDance Korea, Goethe-Institut Indien) sowie Until the Beginnings (Tanzplattform 2026) mit der École des Sables (Senegal) sowie Sunville an der Deutschen Oper Berlin (2026). Sie erhielt u. a. den deutschen Tanzfilmpreis und war nominiert für den Tabori- und FAUST-Preis. Thiersch versteht Kollaboration als Austausch, Reibung und gegenseitige Veränderung. Sie interessiert sich für Übergänge und Überlagerungen unterschiedlicher Perspektiven, ohne diese zu einer Einheit aufzulösen. Im Zentrum stehen Fragen von Zugehörigkeit und Erinnerung sowie die Möglichkeit, durch körperliche Praxis neue Formen des Miteinanders zu erproben.
Kathrin Röggla ist Schriftstellerin und arbeitet als Prosa-, Theater- und Hörspielautorin. In ihren international aufgeführten Texten verbindet sie gesellschaftliche Beobachtung mit einer vielstimmigen, fragmentarischen Sprache. Sie untersucht Formen des Sprechens, kollektive Wahrnehmungen und gesellschaftliche Krisen und macht sichtbar, wie Wirklichkeit sprachlich hergestellt wird. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Literatur, Theater, Radio, Film und Installation. Zu ihren bekanntesten Texten zählen wir schlafen nicht, die alarmbereiten, Nachtsendung: Unheimliche Geschichten, Bauernkriegspanorama und Laufendes Verfahren sowie die Theaterstücke worst case, Die Beteiligten und draußen tobt die dunkelziffer. Ihre Arbeiten waren u. a. beim Berliner Theatertreffen und den Mülheimer Theatertagen zu sehen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Nestroy-Theaterpreis, den Österreichischen Kunstpreis für Literatur, den Else-Lasker-Schüler-Preis und 2023 den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste und Professorin für Literarisches Schreiben sowie designierte Rektorin der Kunsthochschule für Medien Köln.
Dauer: ca. 70 min.
Sprachen: Afrikaans, Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch, Sepedi, Twi, Venda, Zulu, mit deutschen und englischen Übertiteln.
Altersempfehlung: ab 14 Jahren.
Hinweis: Laute Musik; Nebel; verwendete Texte erzählen mitunter von Gewalt gegen Frauen und Minderheiten.
Rahmenprogramm
Datum Rahmenprogramm
Sa 07.11. 19:00
Physical Introduction von & mit Ada Sternberg
Barrierefreiheit
Heute:
Fr 06.11. 20:00
Untertitel
Tickets
Morgen:
Sa 07.11. 20:00
Untertitel
Tickets
tanzhaus nrw – Großer Saal
MOUVOIR / Stephanie Thiersch, Monthati Masebe & Kathrin Röggla: ANGELS OF ANARCHY
Tickets
Sold by: tanzhaus-nrw.de
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Was geschieht, wenn Angst nicht länger den Rhythmus vorgibt? Sieben Performer*innen begegnen einer Gegenwart, in der Räume besetzt, Wahrheiten verdreht und Beziehungen zunehmend durch Kontrolle organisiert werden. Ausgangspunkt sind die kleinen Kämpfe am Gartenzaun ebenso wie die großen Gesten der Aneignung.
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