Ausstellung, Workshops und Live-Acts
Drei Tage kuratiert der Unfairblümt e.V. den Habibi Kiosk.
Der Unfairblümt e. V. ist wieder zu Gast auf der Maximilianstraße und lädt zum zweiten Mal in den Habibi Kiosk ein. Gemeinsam mit euch widmen wir uns dem Thema ‘Mythen und Misogynie in populären Medienkulturen der Gegenwart’. Von der Büchse der Pandora bis zum Tradwife-Trend fragen wir uns:
Welche Mythen beeinflussen seit Jahrhunderten unsere Geschlechterbilder? Wo werden anti-feministische Mythen in unserem modernen Alltag immer noch reproduziert? Was hat Herkules mit der Manosphere zu tun und wie können wir Mythen dekonstruieren und umerzählen?
Baby Garg (Jade Zaheer, Jasmine Imren and Rose Grover)
c Kiki Kaliope (@justcampenough)
Janna Jirkova
c Ekaterina Skerleva
Lena Ying
Luisa Eichelmann
Theodora Loos
Lilian Robl
c Anna Gohmert
Maria Berauer
Maria Pia Napolitano de Majo
c Maximilian Gutmair
MEL
Melike Kerpel
c Manfred Pichler
Merritt Ocracy
Fr 13.11.
19:00 – 22:00 Vernissage
20:30
Rusalka
Drag Quing Performance von Merritt Ocracy
Die Meerjungfrau der slawischen Mythologie, die Rusalka, ist ein böser Wassergeist mit langen grünen Haaren, der Menschen zu Tode kitzelt. Zu einer Rusalka wird man, der Legende nach, wenn man jungfräulich ertrinkt. Im Act wird jedoch die Verwandlung in eine Rusalka als Befreiung und Empowerment dargestellt.
Sa 14.11.
12:00 – 20:00 Ausstellung
17:00
Reading Penelope
Performative Lesung von Maria Pia Napolitano de Majo
Penelope wartet, Penelope webt. Die treue Penelope. Eine vorbildliche Frau.
Die Performerin NADEMA nimmt euch mit auf eine Reise, auf der ihr den patriarchalischen Charakter entdecken werdet – seine vielen Gesichter in der Kunst- und Literaturgeschichte sowie seine aktuelle Interpretation in Subkulturen der sozialen Medien wie dem #tradwife-Trend. Gemeinsam werden wir die Zusammenhänge zwischen diesen Darstellungen von Frauen und der „Manosphere“ – oder ähnlichen konservativen Strömungen, die die heutige Gesellschaft durchdringen – verstehen.
Konzept & Performance: Maria Pia Napolitano de Majo
Visuals: Torres
Kostüme: Hannah Grimme
19:00
Selkie Wash
Performance von Baby Garg
Als Selkies (halb Robbe, halb Frau) erscheinen wir und laden die Zuschauer*innen ein, sich liebevoll die Hände waschen zu lassen – mit oder ohne Augenbinde –, bevor sie mit einem Parfüm gesalbt werden, das eine sinnliche Erinnerung auf der Haut der Teilnehmenden hinterlässt.
Wir haben über die Queerness von Mythen und die fließenden, magischen Seinsweisen nachgedacht, die sie in sich bergen. In diesem Stück erforschen wir, wie wir uns gegenseitig umsorgen können.
Uns interessiert die Kraft des Selkie-Mythos als Geschichte einer Frau, deren gestohlene Haut sie daran hindert, ins Meer zurückzukehren. Stattdessen begeben wir uns in unser wildes Selbst, das sich nach der Wiedervereinigung mit dem Meer sehnt, und laden das Publikum ein, sich in einem Moment sinnlicher Glückseligkeit vorübergehend diesen drei mystischen Gestalten hinzugeben.
So 15.11.
12:00 – 14:00
HUNGRIG WIE DER WOLF. Körperkult(ur) zwischen Gains und Verschwinden
Linolschnitt-Workshop mit Luisa Eichelmann und Theodora Loos
In unserem Workshop möchten wir uns mit medial vermittelten Körperbildern auseinandersetzen und diese hinterfragen: Warum sollen wir dünn, klein, unscheinbar sein? Was, wenn wir das nicht sind? Wir drehen mit unserem Workshop den Spieß um und überlegen, was passiert, wenn wir Platz einnehmen und zum Raubtier werden. Mit der Idee der Metamorphosen fertigen wir kleine Linolschnitte an (keine Vorkenntnisse erforderlich).
Kostenlos! Material wird gestellt.
14:30 – 16:30
Scheren, Heilige & Subversion: Koloniale Mythen umerzählen durch den Danza de las Tijeras
Interaktiver Schreib- und Diskurs-Workshop mit MEL
Scheren, Heilige & Subversion: Koloniale Mythen umerzählen durch den Danza de las Tijeras“ widmet sich der Frage, wie religiöse und koloniale Narrative genutzt wurden, um indigene und feminine Körper zu dämonisieren und wie wir diese Mythen heute neu schreiben können und müssen.
Am Beispiel des peruanischen Scherentanzes (Danza de las Tijeras), der unter der Inquisition als „Teufelstanz“ verhöhnt und im Katholizismus getarnt weitergeführt wurde sowie heute von Tänzerinnen (Danzak warmi) feministisch angeeignet wird, erarbeiten wir gemeinsam eigene subversive Texte.
17:00 – 19:00
Boiling Voices
Schrei-Workshop mit Isabelle Konrad
„Boiling Voices“ ist ein Schrei-Workshop im Rahmen von FURIE, dem Medienkunstprojekt von Isabelle Konrad über weibliche Wut als politische Kraft. Schon in der Antike wurden die Furien, die rasenden Rachegöttinnen, besänftigt, umbenannt und unter die Erde verbannt. Wo weibliche Wut bis heute zum Schweigen gebracht wird, findet sie hier einen Ort, an dem sie ausbrechen, laut werden und sich vokalisieren darf. In zwei Stunden erkunden die Teilnehmenden Schreien und andere Stimmformen und entwickeln daraus gemeinsam eine Hymne der Wut mit ihren eigenen Stimmen. So bildet sich an jedem neuen Ort ein Schrei-Chor auf Zeit. Jede Fassung wird aufgezeichnet und fließt in den wachsenden Atlas der weiblichen Wut ein. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Der Workshop richtet sich an weiblich sozialisierte Personen, also an Menschen, die durch gesellschaftliche Erwartungen an Mädchen dazu erzogen wurden, Wut zu unterdrücken, unabhängig von ihrer heutigen Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung.
Ausstellung
STEPPING OUT OF FOAMING WAVES – Videoarbeit von Janna Jirkova
HD, 16:9, Stereo, 05:14 Min.
2024
Sie stieg aus den schäumenden Wellen, ein betörender Duft, wallendes Haar und Wind, so wird die antike Göttin der Liebe umschrieben.
Es finden sich jedoch noch ganz andere Bilder und interessante Vorgänger*innen der Aphrodite.
Sie konnte grausam und rachsüchtig sein, an bestimmten Orten wurde sie nicht mal als eindeutig weiblich dargestellt.
Was ist passiert mit dieser Vielseitigkeit und Komplexität einer Göttin?
Mit der Zeit scheint es verlor Aphrodite in den Geschichten an Mehrdeutigkeit, einer ihrer Vorgängerinnen, wurde kurzerhand zum Dämon erklärt.
In der Videoarbeit „Stepping out of foaming waves“ werden Bilder aus der Mythologie rund um Aphrodite auf eigene Weise aufgegriffen, um zu hinterfragen, inwiefern die Geschichte so verändert wurde, dass sie unserem vorherrschenden Bild von Weiblichkeit entspricht. Was wird nach wie vor in das Bild von Weiblichkeit projiziert? Können wir aus der Mythologie dazulernen?
Oktoberfarm – Bilderserie von Lena Ying
Kohle, Graphit und Aquarell auf Papier, 2026
Die Arbeit betrachtet das Teufelsrad auf dem Münchner Oktoberfest im Zusammenhang mit digitalem Content-Farming. Sowohl in der Dramaturgie der Attraktion als auch in der gezielten Verbreitung misogyner Upskirting-Videos suche ich nach der Bewegung des Teufelsrads. Der sich wiederholende Moment des physischen Kontrollverlusts rückt ins Zentrum einer digitalen Mythenbildung rund um das Rad. Wo verlaufen die Grenzen zwischen individueller Täterschaft und der kollektiven voyeuristischen Masse, die das folkloristische Spektakel umgibt?
Anger is a Liquid – Videoarbeit von Lilian Robl
Anger is a Liquid verhandelt den Zusammenhang von Gender und Emotion. In drei Kapiteln werden die Unterdrückung von Wut und der eigene Umgang mit ihr in weiblich sozialisierten Körpern aus historischen, soziologischen und psychologischen Perspektiven betrachtet: Medusa erzählt von ihrem Schicksal und wirkt als matriarchale Schutzgöttin, zwei junge Frauen führen eine aus dem Anti-Aggressionstraining übernommene Übung durch und sprachliche Metaphern geben der Wut eine Form. Wut passiert als Flüssigkeit verschiedene Stationen, entzündet Feuer, läuft über.
Zwischen den Falten – Skulptur von Maria Berauer
Holz, Modelliermasse, 20 x 7 x 6 cm
Eine hölzerne sog. Traubenmadonna aus dem Devotionalienhandel wird hier – um einige Attribute reicher – zum Ort des Widerstands. Die Umgestaltung der Skulptur durch die Künstlerin zwingt den Blick dorthin, wo christliche Ikonografie Leere hinterlässt: auf ihre Genitalität. Diese wölbt sich als überdimensionierte Vulva zwischen Marias Mantelbahnen hervor – offen, roh, selbstbewusst. Eine blau-rote Nabelschnur windet sich aus dem Geschlechtsorgan, um den Nacken der Frau herum, direkt in den Körper des Windelkinds auf ihrem Arm. Holy jesus! – auch dieses Kind wurde unter Schmerzen durch das fleischig weiche, blutige Tor zur Welt gepresst. Auf dem Sockel erhebt sich kein Objekt der frommen Andacht, sondern ein feministisches Manifest gegen patriarchale Bildpolitik und Reinheitsmythen.
Tides of Memory – von Melike Kerbel
„Tides of Memory“ schöpft aus meinen Wurzeln und meinen Studien zur Ägäis sowie aus meinem Interesse daran, wie das Meer Kulturen, Bewegung und Macht geprägt hat. Ich betrachte das Meer nicht nur als Landschaft, sondern als einen Raum, der vielschichtige Erinnerungen birgt: Migration, Handel, Konflikte, Verbindungen und kulturellen Austausch. Für diese Installation arbeite ich mit einem Stoff, der das Meer symbolisiert, kombiniert mit gefundenen Seilen, die über dessen Oberfläche gebunden, verknotet und geschichtet sind.
Bitches of the Sea – Print von Luisa Nies
"Bitches of the Sea" untersucht Sirenen und die Meerjungfrauen* als kulturelle Projektionsflächen weiblicher* Sexualität. In literarischen und künstlerischen Darstellungen verkörpern sie Weiblichkeitsbilder zwischen Verführung und Gefahr, Melancholie und Fatalität, die von männlichen* Ängsten und Fantasien geprägt sind. Die Gegenüberstellung von femme fatale und femme fragile verdeutlicht, wie weibliches* Begehren kulturell inszeniert, romantisiert und kontrolliert wird. Dabei werden historische und gegenwärtige Bildtraditionen hinterfragt, die weibliche* Sexualität zugleich unsichtbar machen und überhöhen.
Münchner Kammerspiele – Habibi Kiosk
Mythen, Misogynie, Medien
Tickets
Sold by: muenchner-kammerspiele.de
Go to muenchner-kammerspiele.de ↗You will be redirected to the partner's website in a new tab.
Der Unfairblümt e. V. ist wieder zu Gast auf der Maximilianstraße und lädt zum zweiten Mal in den Habibi Kiosk ein. Gemeinsam mit euch widmen wir uns dem Thema ‘Mythen und Misogynie in populären Medienkulturen der Gegenwart’. Von der Büchse der Pandora bis zum Tradwife-Trend fragen wir uns:
About the event
Comments
Log in to add a comment
Log in
No comments yet
Be the first to comment