von Elfriede Jelinek
Zwei Hausfrauen aus der Provinz verabreden sich an einer Autobahnraststätte mit zwei Männern in Tierkostümen zu anonymem Sex auf der Damentoilette, um endlich das Animalische in sich freizulegen. Ihre Ehemänner bekommen davon Wind, stülpen sich die Kostüme über, und den Frauen bleibt statt »tierisch gutem Sex« nur die Erkenntnis, anstelle eines Seitensprungs wieder nur monogamen Sex erlebt zu haben. Elfriede Jelinek verfasste mit ihrer Komödie eine feministische Travestie auf Mozarts »Così fan tutte« und variiert die klassischen Topoi Natur und Kultur.
Zwei Hausfrauen aus der österreichischen Provinz, die »nicht einmal zehn Deka gefährliches Leben erbeuten dürfen«, verabreden sich an einer Autobahnraststätte mit zwei Männern in Tierkostümen zu anonymem Sex auf der Damentoilette, um endlich »keine verschlossene Natur mehr zu sein«, sondern die Begierde in sich freizulegen. Ihre im Lokal wartenden Ehemänner bekommen davon Wind, stülpen sich die Tierkostüme über und suchen in sich selbst das Tier im Mann. Den beiden Frauen bleibt statt »tierisch gutem Sex« nur die Erkenntnis, anstelle eines Seitensprungs wieder nur monogamen Sex erlebt zu haben. Statt im Exzess entlädt sich die aufgestaute Triebenergie der Figuren daraufhin in Xenophobie: Die ursprünglichen Partner der Kontaktanzeige werden als »Fremde« denunziert, in denen man das Animalische vermutet und als das »Andere« umso vehementer abwehrt. So treibt man dem Fremden jene Natur aus, die einem an sich selbst unheimlich ist.
Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek, seit Jahrzehnten eine der relevantesten Gegenwartsdramatiker*innen und 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, verfasste mit ihrer Komödie »Raststätte oder Sie machens alle«, uraufgeführt 1994, gleichsam eine feministische Travestie auf Mozarts »Così fan tutte«, worauf nicht zuletzt der Untertitel anspielt. Dabei knüpft sie thematisch an ihren 1989 erschienenen Roman »Lust« an und spielt in den Sprachflächen, welche die Figuren vor sich hertragen, mit dem immerwährenden menschlichen Konflikt zwischen Natur und Kultur. Die Jelinek'sche Sprache erweist sich dabei als autonom, widersetzt sich der Verkörperung und benennt die soziopolitische Dimension im Geschlechterverhältnis.
Claudia Bauer, Hausregisseurin am Residenztheater, inszeniert anlässlich des achtzigsten Geburtstags der Autorin eine hochmusikalische und slapstickreiche Hommage an Elfriede Jelinek.
Residenztheater
Raststätte oder Sie machens alle
Tickets
Sold by: residenztheater.de
21 bis 64 €
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Zwei Hausfrauen aus der Provinz verabreden sich an einer Autobahnraststätte mit zwei Männern in Tierkostümen zu anonymem Sex auf der Damentoilette, um endlich das Animalische in sich freizulegen. Ihre Ehemänner bekommen davon Wind, stülpen sich die Kostüme über, und den Frauen bleibt statt »tierisch gutem Sex« nur die Erkenntnis, anstelle eines Seitensprungs wieder nur monogamen Sex erlebt zu haben. Elfriede Jelinek verfasste mit ihrer Komödie eine feministische Travestie auf Mozarts »Così fan tutte« und variiert die klassischen Topoi Natur und Kultur.
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