Weinberg: Die Passagierin – Mirga Gražinytė-Tyla
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Mieczysław Weinbergs Oper »Die Passagierin« ist ein Ausnahmefall im Musiktheater: ein Werk, das mit ungeschönter Klarheit von Erinnerung, Schuld und dem Ringen um Wahrheit erzählt. Unter der Leitung von Mirga Gražinytė-Tyla widmet sich das City of Birmingham Symphony Orchestra dieser selten aufgeführten Partitur mit jener emotionalen Präzision, für die die Dirigentin international bewundert wird. Ihr tiefes Verständnis für Weinbergs musikalische Dramaturgie wurde zuletzt eindrucksvoll bestätigt: Bei den »Salzburger Festspielen« feierten Kritiker ihr Dirigat von Weinbergs Oper »Der Idiot« als »radikal durchsichtig«, »erschütternd konzentriert« und »von einer psychologischen Wachheit, die das Orchester in einen atmenden Erzähler verwandelte«. Diese Qualitäten prägen nun auch ihre Interpretation der »Passagierin« – ein Ansatz, der die seelischen Brüche und untergründigen Spannungen des Werks fast körperlich spürbar macht.
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Mieczysław Weinbergs Oper »Die Passagierin« ist ein Ausnahmefall im Musiktheater: ein Werk, das mit ungeschönter Klarheit von Erinnerung, Schuld und dem Ringen um Wahrheit erzählt. Unter der Leitung von Mirga Gražinytė-Tyla widmet sich das City of Birmingham Symphony Orchestra dieser selten aufgeführten Partitur mit jener emotionalen Präzision, für die die Dirigentin international bewundert wird. Ihr tiefes Verständnis für Weinbergs musikalische Dramaturgie wurde zuletzt eindrucksvoll bestätigt: Bei den »Salzburger Festspielen« feierten Kritiker ihr Dirigat von Weinbergs Oper »Der Idiot« als »radikal durchsichtig«, »erschütternd konzentriert« und »von einer psychologischen Wachheit, die das Orchester in einen atmenden Erzähler verwandelte«. Diese Qualitäten prägen nun auch ihre Interpretation der »Passagierin« – ein Ansatz, der die seelischen Brüche und untergründigen Spannungen des Werks fast körperlich spürbar macht.
Weinbergs Oper erzählt von einer ehemaligen KZ-Aufseherin, die auf einem Ozeandampfer unvermittelt mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Die konzertante Aufführung rückt die innere Dramaturgie in den Vordergrund:
Kühle, klar gezeichnete Klangflächen der Schiffsszenen treffen auf verdichtete musikalische Schatten des Lagers. Gražinytė-Tyla modelliert diese Kontraste mit großer Ruhe, dann wieder mit eruptiver Dringlichkeit – ein Spannungsfeld, das die Kritiker bereits in Salzburg als ihr »Markenzeichen im Umgang mit Weinbergs Musik« beschrieben.
In der konzertanten Form entsteht ein Hörraum, der nichts abfedert: Manche musikalische Linien scheinen direkt aus einer Erinnerung aufzusteigen, die sich nicht abstreifen lässt. Es ist jener Eindruck des Unausgesprochenen, der Weinbergs Musik begleitet – und in Gražinytė-Tylas Deutung lange nach dem letzten Ton zurückbleibt.
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